Wer Lian begegnet, ist schnell in seinen Bann gezogen. Der zehnjährige Junge ist alles andere als menschenscheu. Sein Vater Simon erzählt, dass Lian durch seine medizinischen Untersuchungen und die verschiedenen Therapien schon früh in den Kontakt mit unterschiedlichen Menschen kam. So ist Lian offen, herzlich und neugierig auf sein Gegenüber. Eigenschaften, die ihm im Alltag helfen, denn bei vielen Tätigkeiten ist er auf Unterstützung angewiesen.
Lian lebt mit einer Zerebralparese und ist dadurch motorisch eingeschränkt. Dank Orthesen kann er auf kurzen Strecken gestützt gehen und ist sonst auf einen Rollstuhl angewiesen. Verbal kommunizieren kann er nicht. Das macht er mit Hilfe seines Tablets oder verständigt sich mit einer vereinfachten Gebärdensprache. Das kann für ihn frustrierend sein, denn geistig ist Lian fit. Umso wichtiger ist eine Umgebung, die ihn versteht und ihm Zeit gibt. Er lebt bei seinen Eltern zusammen mit seinen zwei jüngeren Geschwistern. Für die Familie bedeutet der Alltag mit Lian viel Organisation – und lange Zeit gab es kaum Entlastung.
Erste Schritte mit PluSport
Für junge Kinder mit einer Behinderung, insbesondere wenn eine intensivere Betreuung benötigt wird, gibt es nur wenige passende Freizeitangebote. Bei PluSport können Kinder schon ab sechs Jahren die Sportcamps besuchen. Diese Möglichkeit nutzte auch Lian. Er besuchte das Polysport-Camp in Graubünden erstmals vor drei Jahren und ist seitdem immer dabei. Letztes Jahr wagte er sich dann auch auf die Skipiste und nahm zusätzlich an einem Schneesportcamp teil.
Vor dem ersten Camp war Lians Nervosität gross, da er erstmals längere Zeit von seinen Eltern getrennt war. Damit die Eltern schnell erreichbar sind, entschieden sie sich, während des Camps in der Nähe selbst Ferien zu machen. Dies waren zugleich auch die ersten richtigen Familienferien, die sie bis dahin unternehmen konnten. Glücklicherweise verlief alles ohne Probleme und die Woche endete für alle mit neuen Erlebnissen und wertvollen Erholungsmomenten.
Diese Lösung bewährt sich und so unternimmt Lians Familie oft eine Ferienwoche in der Nähe des jeweiligen Sportcamps, das Lian gerade besucht. Die Geschwister, die oft zurückstecken müssen, erleben so eine Woche lang die volle Aufmerksamkeit beider Eltern und gemeinsame sportliche Aktivitäten in der Natur, die für Lian nicht möglich wären. Ausserdem lässt sich das Hinbringen und Abholen so ideal kombinieren. Lian selbst fühlt sich von Anfang an sehr wohl und ruft seine Eltern meist nur ein paar Mal über sein Tablet an.
PluSport organisiert über 110 Sportcamps pro Jahr für alle Altersklassen und Behinderungsarten für Kinder bereits ab sechs Jahren.
Die Angebote sind nur möglich dank Spenden und ehrenamtlichem Engagement.
Welche Anforderungen an eine Campbetreuung gestellt werden, durfte Vater Simon auch schon selbst erleben. Er begleitete als Leiter ein Fahrradcamp im letzten Sommer. Seine Lebenssituation fordert viel Familienzeit, weshalb freiwilliges Engagement nur begrenzt möglich ist. Dank der Unterstützung seiner Frau und seiner Arbeitgeberin, Rivero AG, die Einsatzmöglichkeiten für soziales Engagement erlaubt, lässt sich dies trotzdem verwirklichen. Simon schätzt die Möglichkeit durch einen Einsatz als Campleiter einem sozialen Engagement nachzugehen und gleichzeitig auch selbst Sportferien machen zu können. Denn für Simon war die Sportwoche auch eine kleine Auszeit.
Wenn Lian gefragt wird, welche Sportart er in unseren Camps am liebsten ausübt, bringt er den linken und den rechten Arm seitlich am Körper an und zeigt mit einer Geste, wie er zwei Skistöcke hält. Lange war unklar, ob Wintersport für ihn überhaupt möglich ist. Durch die Orthesen bekommt er schnell kalte Füsse und der Schnee war früher nicht unbedingt sein Element. Doch das Schneesportcamp war ein voller Erfolg. Obwohl Lian gerne selbst auf den Skiern gestanden wäre, ist er auf einen sogenannten Dualskibob angewiesen. In diesem kann sich Lian hinsetzen und wird dabei von einer Betreuungsperson auf Skiern geführt. Mit solchen Sportgeräten ermöglicht PluSport Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, die Teilnahme am Schneesport.
Mit einer Spende ermöglichen Sie Kindern wie Lian ihren Platz im Sport
Neben dem Sport erlebt Lian aber auch viele andere tolle Momente in den PluSport-Camps. Als Frühaufsteher hilft er am frühen Morgen jeweils in der Küche mit. Er ist generell ein sehr hilfsbereiter Junge und hilft dort, wo er gebraucht wird beim Tisch decken, beim Schoggimousse machen, Pizza backen oder Skimaterial bereitstellen. Wenn andere Campteilnehmende Heimweh haben oder traurig sind, dann springt Lian auch ein und tröstet seine Campfreunde. Seine Herzlichkeit ist für alle spürbar und PluSport freut sich sehr, dass wir Sportangebote für Menschen wie Lian schaffen können.
Die Sportcamps von PluSport werden ermöglicht durch die Stiftung Denk an Mich.