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Die Schweiz stolz gemacht

Die Schweiz zieht eine hervorragende Bilanz der Paralympischen Spiele. Sechs Medaillen, drei Diplome und zwei Überraschungen machen diese Winterspiele zu den erfolgreichsten seit über zwanzig Jahren.

Robin Cuche mit Freudentränen nach der Goldmedaille in der Abfahrt, bevor er in den folgenden Tagen drei weitere Male aufs Podest steigt. Fabrice von Grünigen, der nach einem Sturz und einer Gehirnerschütterung Silber im Banked Slalom feiert. Emerick Sierro, wie er den Teamkollegen strahlend von seinem 9. Rang in der Alpinen Kombination und im Riesenslalom erzählt.

Es sind Bilder, die für die diesjährigen Paralympics stehen. Bilder, die noch lange nicht vergessen werden dürften, und Bilder, die nach dem letzten Wettkampf mit Schweizer Beteiligung zu einer enorm positiven Bilanz führen.

Bestes Resultat seit 24 Jahren

«Wir wollen die Schweiz stolz machen. Und dazu gehören Medaillen.» Das sagte Tom Reulein, der Chef de Mission, vor dem Beginn der Paralympics. Drei Mal Edelmetall lautete das offizielle Ziel der Schweizer Delegation, doppelt so viele Medaillen sind es geworden. «Das offizielle Ziel ist immer das, was man unter allen Umständen erreichen will», so Reulein, der lachend ergänzt: «Sechs Medaillen zu gewinnen ist absolut aussergewöhnlich.»

Hinzu kommen drei Diplome. «Ich kann mich gar nicht daran erinnern, als die Schweiz letztmals besser war», so der Delegationsleiter. Vor 24 Jahren war das, als es in Salt Lake City 2002 zwölf Medaillen regnete. Damals waren die Wettkampfklassen jedoch noch nicht in drei Kategorien zusammengelegt und es gab deutlich mehr Medaillensätze. Seit Turin 2006 hat es maximal dreimal Edelmetall gegeben. Und das, obwohl die Delegation bis auf 2014 immer grösser war als die diesjährige.

Der Erfolg in Italien liegt, so beschreibt es Reulein, in einer «absolut konsequenten, leidenschaftlichen Herzblutarbeit des gesamten Teams über die Saison und hier in Cortina». Aber vor allem haben die Athleten dem Druck stand gehalten und das sei überhaupt nicht selbstverständlich. «Diese sechs Medaillen lassen sich gar nicht hoch genug einschätzen.»

Cuche, von Grünigen und Fahrni auf dem Podest

Angeführt wird der Schweiz-interne Medaillenspiegel von Robin Cuche - dem «Robinator», wie er von seinem Bruder nach dem Abfahrtssieg getauft wurde. Vier Podestplätze in fünf Rennen weist er vor. «Diese vier Medaillen, das kann man nicht planen. Klar, er hatte immer das Potenzial dazu. Aber es auch umzusetzen, das ist Wahnsinn.»

Dahinter reiht sich Fabrice von Grünigen mit Silber ein. War er im Snowboardcross-Training am Tag der Eröffnungsfeier noch gestürzt, bekam er nur sieben Tage später Edelmetall umgehängt. Reulein sagt: «Diese Geschichte, von der Gehirnerschütterung auf das Podest. Davon werden wir noch in fünfzig Jahren sprechen.»

Geschichte geschrieben hat auch sein Teamkollege Aron Fahrni mit Bronze im Snowboardcross. So ist er in Cortina der erste Schweizer Snowboarder mit einer paralympischen Medaille überhaupt. Ein grosser Erfolg für das Team rund um Nationalcoach Silvan Hofer.

Was den Chef de Mission ebenfalls freut, ist ein Diplom. Jenes von Pascal Christen, das sich der Monoskibobfahrer im Riesenslalom am Freitag sicherte. «Er hatte öfters mit Ausscheiden zu kämpfen, aber wie er diesen Riesenslalom-Lauf runtergezogen hat. Da kriege ich Gänsehaut.»

Gänsehaut dürfte die Schweizer Delegation noch lange kriegen, wenn sie auf die Paralympics in Cortina zurückblickt. Wegen der Medaillen. Wegen der Emotionen. Wegen Karrieren, welche die paralympische Krönung fanden. Und viel mehr noch: Wegen der Geschichten, die geschrieben wurden.

Foto: Swiss Paralympic / Gabriel Monnet